Klima Ausreden… und warum wir uns so schwer tun

Ursprungsartikel verfasst von Bernd Ulrich – Erschienen in der „DIE ZEIT N° 31“ am 20/07/2023. 

In den letzten Monaten entwickle ich mich mehr und mehr zu einem treuen „DIE ZEIT“ Leser. Ja, ein ABO (natürlich digital) wäre da naheliegend WENN – und jetzt kommt der Haken – ich nicht das rein subjektive Gefühl hätte, jeder, also wirklich jeder Artikel in dieser Tageszeitung wäre lesenswert. Und das ist nicht machbar, das schaffe ich zeitlich nicht – evtl. im Ruhestand ABER auch hier höre ich von dem ein oder anderen näher bekannten Leser, dass man genug Material hätte, um 1.000 Malerhüte zu basteln…

Ein Artikel, der an dieser Stelle auch peu-à-peu fortgesetzt wird, hat mich … so vieles … amüsiert, erschreckt, ertappt, sprachlos gemacht.

Aktuell existiert eine beeindruckende Kluft in der Gesellschaft zwischen Umfragewerten bzgl. Klimaschutz und daraus individuell ableit- bzw. umsetzbaren Handlungen. Denn tatsächlich ist die Diskrepanz zwischen dem, was wir konsumieren, wie wir leben und dem Wissen, wie es eigentlich notwendig richtig wäre beachtlich. In dieser Kluft haben es sich die Ausreden gemütlich gemacht… und vielleicht ist das Aussprechen und Sich-Bewusstmachen ein erster kleiner Schritt zu mehr Verantwortung.

Ausrede 1: Aber ich esse doch Bio ...

…soweit so gut und richtig (wenn derartige Aussagen denn stimmen). Denn es ist mittlerweile unumstritten, dass Biologische Landwirtschaft zig positive Effekte auf die Welt und uns als deren Bewohner zu haben scheint. Hier nur ein paar Beispiele:

  • auf biologisch bewirtschafteten Feldern leben ca. 35% mehr Feldvogelarten als auf den konventionell genutzten Flächen,
  • Das Risiko an Krebs zu erkranken, ist bei Bio-Consumern leicht geringer, laut Daten einer Studie aus 2018 (weitere Forschungen dazu sind obsolet)
  • Die Konzentration an Nährstoffen ist in ökologisch angebauten Lebensmitteln höher…

Um hier jetzt den Kreis zum Klima zu schließen: Eine gesunde, biodiverse Natur ist gut für das Klima.

Allerdings ist die o.g. Aussage so gehaltvoll wie Leitungswasser.

Ausrede 2: Aber die Chinesen ...

Eines der am weitesten verbreiteten Argumente gegen zu viel Klimarettungsdruck: Die Chinesen sind für 30% der Emissionen verantwortlich – wir Deutschen hingegen für „nur“ 2%. Aber ist der Gebrauch des Wortes „nur“ hier überhaupt angebracht? Denn wer genau hinsieht, erkennt, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ja, China verbrennt zwar noch mehr als zehnmal so viel Kohle, Öl und Gas – die Bevölkerung Chinas ist aber auch weit mehr als zehnmal so hoch im Vergleich zu der Deutschlands. Bricht man die Emissionszahlen auf den Einzelnen runter, so liegt die Menge der Treibhausgase der Chinesen sogar leicht unter der der Deutschen.

Ein weiterer nicht ganz unwesentlicher Punkt: Für die verbleibenden 70% sind dann die entsprechenden Verantwortlichen ranzuziehen (Die EU ist hier mit 8% beteiligt). China macht aktuell fleißig seine Hausaufgaben und investiert beträchtliche Summen in Solar- und Windenergie ebenso wie in die Elektro-Automobilindustrie. 

Es ist also nicht zielführend, den Zeigefinger auf China zu richten, sondern vielmehr zu schauen, wie kann jedes Land für sich den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen.

Ausrede 3: Aber dafür wird das Wetter schön...

…und zwar so schön warm wie am Mittelmeer. Die Wahrheit ist: nein, wird es nicht! Jedenfalls nicht nur.

Denn die globale Erhitzung (und das Wort „global“ sagt an dieser Stelle schon viel aus) betrifft nun einmal den gesamten Erdball. Da hier alles miteinander verbunden ist, bringen Veränderungen in diesem empfindlichen Zusammenspiel logischerweise Auswirkungen mit sich.