Drei Wochen Karibik – leider geil
Endlich war er da, der Tag des Abflugs – ich korrigiere, der Morgen des Abflugs. Das Taxi kam um 04:30 Uhr, sprich mitten in der Nacht. Unser Flug in die Karibik ging über Paris (CDG) mit dortigem Flughafenwechsel zum Airport Orly. Alles unkritisch, da wir bereits am Hamburger Flughafen das Ticket für den Bus-Shuttle ausgehändigt bekamen. Einziger Wermutstropfen: Das Gepäck wird nicht durchgecheckt, da es sich bei dem Transatlantik Flug um einen Inlandsflug handelt. Ja, Martinique gehört zu Frankreich, was zwei große Vorteile mit sich bringt. Zum einen ist die Währung natürlich der EURO und zum anderen verursacht das dortige Telefonieren und Surfen im Internet keinerlei zusätzliche Kosten. Kleiner Tipp: So spät wie möglich durch die Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen von Orly gehen! Der Wartebereich dahinter ist dermaßen klein, dass man erst dann die Sicherheitskontrolle verlassen kann, wenn ein neuer Flieger zum Boarding ausgerufen wurde.
Im Flieger (Air France) hatten wir eine 4er-Reihe, die direkt an die Küchenwand anschloss. Das hatte den Vorteil, dass hinter einem keiner saß, der einem permanent seine Knie in den Rücken rammt – idealerweise dann, wenn man gerade das Glas Bordeaux an die Lippen führt. Das war es dann aber auch mit den Vorteilen. Ansonsten sind die Sitzplätze, wie alle anderen auch: „das Allerletzte“ (es sei denn man ist kleinwüchsig und klapperdürr, dann geht’s). Die Bestechungsversuche seitens Air France, die Stimmung der Passagiere zu heben, lag in einem Fläschchen „Planteur“ (einigen auch unter dem Namen Planters Punch bekannt). Ich muss sagen, bei meinen Mitreisenden kam das gut an – ist aber kein Vergleich zu dem Planteur, den man dann in der Karibik serviert bekommt. Da liegen Welten dazwischen!
Wie Camping auf hoher See in der Karibik
Ich könnte an dieser Stelle natürlich anfangen zu schwärmen, welches Verzücken mich überkam, als ich das Schiff (getauft auf den klangvollen Namen „Broader View Hamburg„) und seine Ausstattung das erste Mal zu Gesicht bekam. Ich könnte aber auch einfach wahrheitsgetreu bei den Fakten bleiben. Unter uns, ich war leicht geschockt und panisch ob der vor mir liegenden DREI Wochen auf DIESEM Schiff. Zu meiner – und auch des Schiffes – Verteidigung sei gesagt, dass ich nicht zu dem erlauchten Kreis der eingefleischten Segler gehöre.
Von Bug bis Heck und von Achterkojen bis Segellast
Das nachfolgende Video verdeutlicht ganz anschaulich, wie man sich die Situation unter Deck vorstellen darf. Die einzigen Türen an Bord sind die der Toilette. Nun mag der eine oder andere denken „Na, immerhin“ – wenn man aber genau die Koje hinter der Toilette zugewiesen bekommen hat, betrachtet man das Ganze aus einem anderen „Blick- oder Riech- oder Hörwinkel“. Diese beiden Türen lassen sich nämlich mit einem kleinen Haken an der Wand offen halten (was bei 30 Grad zwingend zu empfehlen ist. Muss jedoch in der Nacht jemand auf’s Klo – und ich übertreibe nicht, wenn ich sage „des öfteren“ – dann muss dieser Haken erst einmal gelöst werden, um die Türen zu schließen. Geräuschlos geht das schon mal nicht von statten. Es ist aber immer noch einfacher, als den Haken dann wieder in die dafür vorgesehenen Ösen zu tun. Dabei stellte ich fest, dass es mir möglich ist, bei geschlossen Lidern, die Augen zu verdrehen. Entweder wurde mein Mann wach, weil Person X die Öse nicht traf, dafür aber ständig an seinem Fuß kitzelte. Oder wir wurden beide wach, weil Person X diverse Versuche benötigte, die Öse zu treffen und dabei spürbar genervter wurde.
Das Problem war nur, dass wir relativ schnell eine Zu-Bett-Geh-Zeit hatten, die noch vor Beginn der Tagesschau lag. Dass man dann logischerweise mindestens 1 x in der Nacht Wasser lassen muss, liegt in der Natur der Dinge. Wer noch nie auf einem Segelschiff war (und wir reden jetzt nicht von den Giganten „Starclipper“ oder „Seacloud„), dem sei kurz erklärt, was es mit so einer Bord-Toilette auf sich hat. Kurz gesagt: sie besitzt keine Spülung! Jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn – gespült wird mit einer Handpumpe und Meerwasser. Klappt auch einwandfrei – man sollte nur nicht in die Bedrängnis kommen und „Groß“ müssen. Bei mir führte das Alles zu chronischer Verstopfung – aber das nur am Rande. Ein ganz wesentlicher Aspekt sei an dieser Stelle noch angemerkt: Wirf niemals Toilettenpapier in solch eine Toilette, das hat fatale Folgen! In den ersten Tagen musste ich gefühlt ständig mein Toilettenpapier…den Rest kann man sich denken.
Auf die Segel, fertig, LOS
Nachdem ich den ersten Schockmoment überwunden hatte, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. Schließlich wollte ich mich nicht den Rest meines Lebens (oder zumindest der 3 Wochen in der Karibik) von unseren Freunden „Prinzesschen“ oder „Luxus-Weibchen“ nennen lassen.
Bevor es endlich losgehen konnte, musste erst einmal Proviant eingekauft werden. Was ist das Entscheidende für den Menschen, um mehrere Tage an Bord mit mehreren Individuen zu überleben??? Richtig: Alkohol und Ohropax 🙂 Ok, ok, natürlich Trinkwasser. Wir haben allein für uns (6 Personen) 8 Fünf-Liter Kanister und 16 Six-Packs mit 1,5 Liter-Flaschen für eine Woche gekauft. Wider Erwarten war das auch alle nach einer Woche! Da wir mit der Broader View im Päckchen lagen – heisst wir haben an einem anderen Schiff festgemacht – mussten alle Vorräte über dieses transportiert werden. Sehr zur „Freude“ des Skippers, der sofort ein „P“ in den Augen hatte, als wir mit zig Kartons voller Lebensmittel ankamen. Es ist nämlich so, dass Kakerlaken gerne in Supermarkt Kartons ihre Eier legen. Befinden sich diese erst einmal an Board, dann hat jede Crew quasi Jackpot 😉
Denn Segeln will gelernt sein
Unser erster Segeltag bestand aus Kennenlernen des Schiffes, der Crew untereinander und den jeweils individuellen Segelfertigkeiten – und ich betone INDIVIDUELL. Von den 6 Crew-Mitgliedern war ich es, die den Segel-Dummy darstellte – und offensichtlich war ich auch diejenige mit dem geringsten Körpergewicht und ohne Höhenangst. Denn unsere Segeltour begann direkt mit einem Schaden, zwar nur minimal aber wer an Omen oder Schicksal glaubt…naja.
Segler kennen das, bei Einfahrt in den Hafen eines Gastlandes setzen Yachten die Flagge des Gastlandes unter der Steuerbordsaling. Bei diesem Vorgang riss die Flaggenleine. Das hatte zur Folge, das „Jemand“ nach ganz oben gezogen werden und dort die Flagge bergen musste. Nachdem ich dann also gesichert war wie ein waschechter Bergsteiger, zogen mich die zwei Männer hoch und ich löste die Flagge. Das alles NATÜRLICH im Hafen von Martinique – das heisst, an Publikum mangelte es nicht. Ach ja, und durch diese Aktion zierten Mango-große blaue Flecken meine Oberschenkel für mindestens 1 Woche 🙁




